Der europäische Blick auf Afrika wird mit Schlagwörtern wie Migration, Armut, Kolonialisierung, aber auch Ursprünglichkeit, Expressivität und Lebensfreude versehen und bleibt stets in Stereotypen verhaftet. Ein Bild jenseits gängiger Klischees zu entwerfen, scheint mit einem linearen Modell unmöglich. Die Ausstellung geht mit persönlichen Geschichten und Sichtweisen auf Spurensuche nach dem Faszinosum des „Fremden“. Gezeigt werden Positionen von Ruth Baumgarte, Magdalena Frey, Adolf Frohner, Pélagie Gbaguidi, Susanne Wenger u.a., die sich divergent gegenüberstehen.

Das Gemälde Die fremden Gäste (1997) von Adolf Frohner scheint heute aktueller denn je. In seinem Oeuvre spielt die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Historie eine wichtige Rolle. Seine monomentale Installation 40 Schritte durch Europa (1993) in der U-Bahnstation am Wiener Westbahnhof gilt als Höhepunkt seiner Hinterfragung eigener Bestimmtheiten, ebenso das plastische Werk Denkmal für Europa (1976). Auch die Rezeption der Expressivität afrikanischer Kunst in der europäischen Moderne hinterlässt Spuren in seinem Werk – etwa in seinen Masken, seinem Frauenbild oder seinen idealtypischen Entwürfen des Paradieses.

Ein enges Verhältnis zu Afrika entwickelte Ruth Baumgarte im Laufe ihres Lebens. Mit über vierzig Reisen in verschiedenste Länder und Regionen verdichtet sich ihr Blick auf Afrika, der – begeistert von der Vitalität und dem Elan des Landes – ein farbenprächtiges Feuerwerk entwirft, wie in der Arbeit Afrikanische Landschaft (1993).

In Opposition dazu steht die Arbeit von Pélagie Gbaguidi. Ihre kritische Reflexion afrikanischer Historie und europäischer Interpretation wird in expressiv- ironischer Manier vorgetragen. Sie zeigt Verhaltensmuster mit scharfem Blick auf, wie bei der installativen Serie von Zeichnungen Naked Writing (2016).

Susanne Wenger, bekannt als Künstlerin, Schamanin und Abenteurerin, lebte über sechzig Jahre in Nigeria, wo sie ihre künstlerische Arbeit in Beziehung zur Yoruba-Religion entwickelte. Ihre Batik, Skulptur und Malerei steht stark in Zusammenhang mit den örtlichen Riten und Ritualen, gleichzeitig bleiben ihre europäischen Wurzeln im Surrealismus spürbar. Auf ihre Spuren begibt sich Magdalena Frey, die bei einem Besuch der Künstlerin eine bewegende Serie entwickelte und damit auch eine Initialzündung für die Beschäftigung mit Afrika erfuhr.

Kurator/innen: Dieter Ronte und Elisabeth Voggeneder

Teilnehmende Künstler/innen: Ruth Baumgarte (* 1923 in Coburg, Deutschland, † 2013 in Bielefeld, Deutschland), Magdalena Frey (* 1963 in Graz, Österreich), Adolf Frohner (* 1934 in Großinzersdorf, Österreich, † 2007 in Wien, Österreich), Pélagie Gbaguidi (* 1965 in Dakar, Senegal), Susanne Wenger (* 1915 in Graz, Österreich, † 2009 in Oshogbo, Nigeria) u.a.

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